Hintergrund

Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes veröffentlichte im April 2013 eine neue Allgemeine Bemerkung, den General Comment No. 17 zu Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention. Das Deutsche Kinderhilfswerk brachte gemeinsam mit dem Bündnis Recht auf Spiel seine Sicht auf die jeweils in den spezifischen Handlungsfeldern bestehenden Defizite ein und formulierte im Juni 2013 auf Grundlage der Allgemeinen Bemerkung des UN-Ausschusses eine Einschätzung aus deutscher Perspektive zur Umsetzung des Artikels 31 in Deutschland. Im weiteren Verlauf entstanden im März 2014 als Ergebnisse einer bündnisinternen Tagung von spielinteressierten Fachleuten und Organisationen spezifische Kernelemente und Hauptforderungen zum Recht auf Spiel in Deutschland. Diese Thesen wurden in einer Fachtagung im Januar 2015 zu konkreten politischen Handlungsforderungen weiterentwickelt (Übersicht: Ziele und Forderungen).

Inhalte

Artikel 31, „Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben“ regelt die Anerkennung und staatliche Förderung der kulturellen und künstlerischen Freizeitansprüche von Kindern und Jugendlichen. Die Kernelemente des Artikels 31 „freies Spiel“, „freie Zeit“, „aktive Erholung“, „altersgemäße Förderung“, „Freizeitaktivitäten“, „kulturelle und künstlerische Beteiligung“ und „freie gesellschaftliche Teilhabe“ erfassen die Grundzüge der demokratischen Freiheitsrechte des Kindes. Durch den UN-Ausschuss wurde festgestellt, dass Kindern Freiräume und freie Zeit zum nicht reglementierten Spiel fehlen.

Handlungsbedarf

Die Steuerungsgruppe entwickelte auf Grundlage des General Comments vier thematische Kernbereiche „Natur im Zeitalter des technischen Fortschritts“, „Bildungs- und Betreuungseinrichtungen“, „Städte- und Gemeindeplanung“ und „Kultur“, um spezifische Defizite und Handlungsforderungen in Deutschland benennen zu können. Vor allem mangelnde Teilhaberechte, fehlende Bekanntmachung der UN-Kinderrechtskonvention und gesellschaftliche Probleme wie Diskriminierung und Kinderarmut bedingen auch für das Recht auf Spiel konkreten Handlungsbedarf in Deutschland. Das Recht auf Spiel ist auf Landes- und Kommunalebene zu verankern, um so bessere finanzielle und gesellschaftliche Voraussetzungen für das freie Spiel für alle Kinder zu schaffen. Die National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland kann hier als Kooperationspartner mit bundesweitem Netzwerk die notwendige Expertise einbringen und politische Strategien und Zugänge schaffen.

 

Hier finden Sie die Ergebnisse der untenstehenden bundesweiten Spielraumtagung, die im Januar 2015 in Berlin stattfand.


„Spielen ist Kinderrecht – Strategien für die Zukunft der Gesellschaft“

Zeit: eintägige Veranstaltung, 15. Januar 2015 (3. KW)

Veranstaltungsort: Landesvertretung Baden-Württemberg, Tiergartenstraße 15, 10785 Berlin

Zielgruppe: 100 Teilnehmer*innen aus bundesweiten Kinderrechtsorganisationen, Wirtschafts-, Ärzte- und Umweltverbänden, Spiel(raum)expert*innen

Kooperationspartner: National Coalition, Bündnis Recht auf Spiel, International Play Association

Veranstalter: Deutsches Kinderhilfswerk e.V.


Zielstellung

Ziel der Fachtagung 2015 „Spielen ist Kinderrecht – Strategien für die Zukunft der Gesellschaft“ ist es, die bereits entwickelten allgemeinen Problemfelder und Thesen (Bündnis Recht auf Spiel, 2012-2014) zu modifizieren und konkrete Handlungsanforderungen auszuarbeiten. Die Landes- und Kommunalebenen sind dabei von besonderem Interesse. Die Veranstaltung wird ca. 100 Teilnehmer*innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft und Verwaltungs- und Steuerungspositionen zusammenbringen. Kinderrechts- und Spielraumexpert*innen, Wirtschafts-, Ärzte- und Umweltverbände sollen konkrete Handlungsempfehlungen zur besseren Umsetzung und Implementierung des Rechtes auf Spiel, Freizeit, Erholung und kulturelle Teilhabe in Deutschland entwickeln.

Ablauf

Während der bundesweiten eintägigen Fachtagung am 15. Januar 2015 (3. KW; 9-17 Uhr) in der Landesvertretung Baden-Württemberg können die unterschiedlichen Interessensvertreter*innen das Recht auf Spiel aus ihrer individuellen Perspektive betrachten – mit dem Ziel realisierbare konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Das Deutsche Kinderhilfswerk, die National Coalition und das Bündnis Recht auf Spiel begrüßen ab 9 Uhr in der Landesvertretung Baden-Württemberg etwa 100 geladene Gäste aus Politik, Verwaltung und Praxis. Zwei 45-minütige Impulsreferate bilden den Auftakt. Neben Lothar Krappmann zur Entstehung des General Comment Artikel 31 und dem Stand der Umsetzung in Deutschland wird es einen Beitrag zum Thema Recht auf Spiel, Stand der Umsetzung auf internationaler Ebene von Ute Navidi geben.
Nationale Expert*innen stellen anschließend die einzelnen Themengebiete ihrer Arbeitsgruppen vor. Sie leiten als Inputgeber und Tischgastgeber die Arbeitsphase ein und strukturieren die Diskussion an den Tischen. An den thematischen Aufhängern „(1) Natur im Zeitalter des technischen Fortschritts“, „(2) Städte- und Gemeindeplanung“, „(3) Bildungs- und Betreuungseinrichtungen“, „(4) Kultur“ können die Gäste ihre Erfahrungswerte, konkrete Projekte und Expertise in Bezug auf das Recht auf Spiel anbringen und bündeln. Anschließend werden die herausgearbeiteten Handlungsempfehlungen im Plenum und auf dem Podium diskutiert. Die National Coalition wird gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk den Abschluss bilden und einen Ausblick auf die bundesweite Umsetzung des General Comment Art. 31 und mögliche Folgeveranstaltungen geben.

Ablaufplan

9:00
Check In
9:30
Beginn: Grußworte der Landesvertretung /
Caren Marks, MdB. Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
9:45
Begrüßung Deutsches Kinderhilfswerk von Thomas Krüger
10:00
Lothar Krappmann: Einführung GC (Entwicklung Art. 31 UN-KRK, GC und Status quo in Deutschland);
10:45
Ute Navidi: Recht auf Spiel – Stand der Umsetzung in Europa (best practice/Vorreiter)
11:30
Vorstellung 4 Themengruppen im Plenum
11:45
Kaffeepause
12:00
Beginn, Impuls Tischgastgeber, Arbeitsphase I
13:00
Mittagspause
13:45
Arbeitsphase II
15:15
Kaffeepause
15:30
Plenum
16:00
Podiumsdiskussion
16:45
Abschlussworte Deutsches Kinderhilfswerk (Holger Hofmann),
Ausblick National Coalition (Claudia Kittel)
17:00
Ende

Moderation

David Weigend (freier Moderator)

Podiumsdiskussion

Peter Apel (Planungsbüro Stadtkinder), Lothar Krappmann (ehem. Mitglied im UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes), Ute Navidi (Ehemalige Vize-Präsidentin der IPA Europa), Udo Lange (Pädagogische Ideenwerkstatt „Bagage", Freiburg)

Wir freuen uns ganz besonders über die Unterstützung und Teilnahme von Ute Navidi und Lothar Krappmann.

Ute Navidi ist unsere Expertin zum Thema Recht auf Spiel im europäischen Vergleich. Als langjähriges und international vernetztes Mitglied der International Play Association (Vorstandsmitglied und ehemalige Vizepräsidentin der IPA Europa) bringt sie wertvolle Expertise im internationalen und globalen Kontext mit sich. Zudem ist sie Beraterin der Europäischen Kommission, Gastherausgeberin des Online Journals MDPI Children sowie ehemalige Geschäftsführerin der regionalen Organisation London Play.

Lothar Krappmann ist als ehemaliges Mitglied des UN-Ausschusses für die Rechte des Kinders der Experte für alle Einzelheiten des General Comments und darüber hinaus. Seine wissenschaftlichen Arbeiten als weltweit renommierter Soziologe bereichern seit Jahrzehnten die wissenschaftlichen wie praktischen Auseinandersetzungen auf dem Gebiet der Kinderrechte und mit Sicherheit auch unsere Fachtagung.

Ausblick

In einem nächsten Schritt, der noch im Jahr 2015 erfolgen wird, sollen die konkreten politischen Forderungen als Grundlage für Gespräche mit politischen Entscheidungsträger*innen dienen. Perspektivisch soll an einem Runden Tisch mit Landespolitiker*innen ein Aktionsplan auf Länderebene für das Recht auf Spiel entstehen.

Materialien und weiterführende Links

Dokumentation

  1. 12 Empfehlungen zur Umsetzung des Rechtes auf Spiel (PDF mit den Ergebnissen der Tagung)
  2. Vortrag Lothar Krappmann (PDF)
  3. Vortrag Dr. Ute Navidi (PDF)
  4. Erweiterter Vortrag Dr. Ute Navidi (PDF)
  5. Zusammenfassung auf englisch von Dr. Ute Navidi (PDF)