Respekt vor anderen, Durchsetzungsfähigkeit und Solidarität lernt man im Miteinander und nicht aus Büchern.

Ist nicht Neugierde die beste Didaktik der Welt? Kinder bringen sie mit, einfach so. Niemand muss ihnen sagen, was zu lernen wichtig ist. Bis zum Eintritt in die Grundschule hat jedes Kind, das in einer anregenden Umgebung aufwächst, neben vielen anderen drei sehr wichtige Entwicklungsphasen durchlaufen:

  • es hat die Stofflichkeit und Beschaffenheit der Dinge mit seiner Zunge und seinen Lippen erforscht, ob essbar oder nicht, alles wurde in den Mund gesteckt;
  • es hat so viel wie möglich von der ihm erreichbaren Welt gesehen, erfühlt und erfahren, denn
  • es hatte einen ebenso starken Antrieb, alles in die Hand zu nehmen, überall hinzukrabbeln – zu laufen – zu klettern, und schließlich
  • es hat seine Eltern in den Wahnsinn getrieben mit den nicht enden wollenden Warum-Fragen.

Mit dem Eintritt in die Schullaufbahn spielt die Bedeutung des Spiels, der Sinne und der Motorik für das Lernen nur noch eine untergeordnete Rolle. Aber Kinder brauchen Erfahrungsräume, in denen sie selbst die Akteure sind. Sie bestimmen selbst, welchem inneren Antrieb sie folgen wollen. Sie lernen nach ihrem „inneren Lehrplan“. Es sind die individuellen Fragen, die ein Kind an die Welt stellt. Und die sind abhängig von der Tagesform. Kinder brauchen deshalb

  • möglichst viel Spielfläche, frei zugänglich und gestaltbar,
  • Kontakt zu Heim-, Haus- und Nutztieren,
  • einen Bauspielplatz mit viel Platz zum Hüttenbau und für handwerkliche Betätigung,
  • einen Garten zum Säen und Ernten,
  • sichtbare und erlebbare, weitgehend unbeeinflusste Natur zum Beobachten und Erkunden.

An einem Ort, der so beschaffen ist, existiert ein eigener Organismus, es begegnen sich Mensch und Mensch, Mensch und Tier, es gibt den Lauf der Jahreszeiten, Ereignisse und Veranstaltungen. In einem solchen Organismus können Kinder eine Vielzahl von Ursachen und Wirkungen, Querverbindungen, Abhängigkeiten, Einflussmöglichkeiten und Gestaltungsräumen erleben. Erst wenn Kinder Zusammenhänge ganzheitlich erfassen, ihrer Neugierde und ihrer Lust auf freudige Beteiligung folgen, gehen ihnen Erkenntnisse und Fähigkeiten in Fleisch und Blut über!

Hans-Jörg Lange
Geschäftsführer des Bundes der Jugendfarmen und Aktivspielplätze e.V., Stuttgart

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