Marietheres Waschk arbeitet bei einem Träger von 20 Kinder- und Jugendeinrichtungen in Köln und beschäftigt sich seit Jahren mit der offenen Jugendarbeit. Im Bündnis Recht auf Spiel setzt sie sich als Beirätin für mehr Freiräume und Beteiligung von Jugendlichen ein.

Im Interview spricht sie darüber, wie Jugendliche urbane Räume nutzen und sich aneignen, welche Rolle Jugendzentren spielen und warum die Beteiligung von Jugendlichen notwendig ist.

1. Wie nutzen ältere Kinder und Jugendliche urbane Räume, wenn der klassische Spielplatz nicht mehr so attraktiv ist, und welche Bedürfnisse und Anforderungen bringen sie dabei mit?

Jugendliche nutzen immer noch gerne den analogen Raum, viele aber auch den digitalen Raum. Diesen muss man mittlerweile als Sozialraum wahrnehmen – dort wird viel geredet, dort wird sich verabredet, um sich im urbanen Raum zu treffen.

Wenn Jugendliche aus dem Spielplatzalter herausgewachsen sind, haben sie kaum eigene Plätze. Das Wichtigste für Jugendliche ist, dass sie einen selbstbestimmten Raum haben. Einen Raum, den sie nach eigenen Regeln mit ihren Freund*innen nutzen und selbst gestalten können. In einer dicht bebauten Stadt wird das zunehmend schwieriger, da Jugendliche wenig Lobby haben.

Für die Entwicklung ist es sehr wichtig, mit der eigenen Altersgruppe zusammen zu sein und sich zu treffen und gemeinsam diese Lebensphase zu durchlaufen. Dadurch eignen sich Jugendliche unterschiedliche Räume an, die oft eigentlich eine andere Funktion haben: Abends wird der Spielplatz, der tagsüber für kleinere Kinder gedacht ist, zum Treffpunkt. Genauso sind es die Bushaltestelle, der Park, die U-Bahn-Station oder das Einkaufszentrum, das Jugendliche als Ort zum Abhängen nutzen.

Eigens für Jugendliche angelegte Räume entstehen meist erst dann, wenn die von ihnen angeeigneten Räume für den Rest der Bevölkerung als unpassend wahrgenommen werden. Ein klassisches Beispiel aus Köln: Die Domplatte lädt Jugendliche zum Skaten ein, da sie einen guten Untergrund dafür hat. Die Jugendlichen waren mitten im Touristenviertel aber nicht erwünscht, weswegen man lange überlegt hat, wo eine Ausgleichsfläche geschaffen werden könnte. Es wurde ein Skatepark angelegt, der gut sechs Kilometer vom Dom entfernt ist. Dieser wird genutzt, da skatende Jugendliche relativ mobil sind.

Im Endeffekt ist es häufig so, dass Jugendliche bei der Stadtplanung wenig mitgedacht werden. So werden dann eben andere Räume angeeignet. Für Kinder gibt es meist spezifische Räume, aber Jugendliche werden irgendwann abgehängt. Dabei sind ihre Streifräume, also die Gebiete, durch die sie ziehen, viel größer als die eines Kindes.

Welche Bedürfnisse und Anforderungen bringen Jugendliche mit? Das zentrale Bedürfnis ist wirklich der selbstbestimmte Raum – oft auch ein Bewegungsraum – einen Raum, den sie selbst gestalten können, mit eigenen Regeln. Dazu kommt der Wunsch einen Footprint zu hinterlassen. Schauen wir uns die Graffitti-Szene an, die im Jugendbereich groß ist. Es geht also auch darum, eine eigene Sache da zu lassen und den Raum als eigenen Raum oder Treffpunkt einer Gruppe zu markieren.

In der Nähe einer unserer Jugendeinrichtungen gibt es einen kleinen Kreisverkehr mit einer Verkehrsinsel, die sich die Jugendlichen über Generationen hinweg angeeignet haben. Sie haben sich immer die “Eierplätzchen-Crew” genannt, da an dem Ort früher ein Eierstand war. Wenn eine Generation ausstieg, war die nächste Eierplätzchen-Crew schon da. Das hat keine*r groß hinterfragt, weil sie sich dort trafen, nicht zu laut waren und einfach ihren Raum hatten.

Dieses “Wir haben unseren eigenen Platz, den wir nach unseren Regeln bespielen können”, das ist total wichtig. Diese Selbstbestimmung, zu wissen, mit wem man sich trifft und was man dort macht oder eben nicht macht. Manchmal ist es auch nur ein Ort, an dem man abhängen möchte, weil es vielleicht zu Hause zu eng ist.

 

Das gesamte Interview kann hier weitergelesen werden: 

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