Martina Hoff ist Landschaftsarchitektin in Essen und Geschäftsführerin des Büros Hoff & Koch Landschaftsarchitektur. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der naturnahen und klimaangepassten Gestaltung von Spielräumen, die sie in das Bündnis Recht auf Spiel einbringt.
Im Interview spricht sie über die Bedeutung naturnah gestalteter und klimaangepasster Spielflächen. Sie erläutert, wieso diese sowohl für Kinder als auch für urbane Räume insgesamt von großer Relevanz sind, welche zentralen Merkmale sie auszeichnen und veranschaulicht ihre Ausführungen anhand von Beispielen aus der Praxis.
1. Was sind Merkmale einer naturnah gestalteten und andererseits einer klimaangepassten Spielfläche? Ist eine naturnahe Spielfläche immer automatisch eine klimaangepasste und umgekehrt?
Ein wesentliches Merkmal einer naturnah gestalteten und klimaangepassten Spielfläche ist ihr hoher Vegetationsanteil und eine möglichst geringe Flächenversiegelung. Viele Spielplätze sind – wie der Begriff “Platz“ bereits andeutet – sehr befestigt und versiegelt. Das darf eine klimaangepasste und naturnah gestaltete Fläche nicht sein. Insbesondere kleine Spielflächen kommen allerdings aufgrund des hohen Nutzungsdrucks nicht ohne befestigte Flächen aus. Dort können dann sickerfähige Beläge zum Einsatz kommen.
Eine naturnahe Spielfläche mit hoher Biodiversität, Wiesenelementen, heimischen Hecken, Spielgebüschen u.a. ist nicht automatisch eine klimaangepasste Fläche. Eine klimaangepasste Fläche muss auch nicht unbedingt naturnah sein, da es sehr viele technische Lösungen für Klimaanpassungsmaßnahmen gibt. Aber für beide Aspekte ist der erste Schritt die behutsame Integration und Nutzung des Vegetationsbestandes.
Häufig gibt es Spielflächen, an die Naturbereiche mit Gebüschen oder Gewässern angrenzen, die als Spielanlässe genutzt werden können. Durch geschickte Planung integriert, machen sie Naturerlebnisse auf der Spielfläche möglich. Der Baumbestand sollte unbedingt so geschützt und berücksichtigt werden, dass der gesamte Wurzelbereich nicht geschädigt wird. Den Baumschatten brauchen Kinder als vulnerable Gruppe, ebenso dringend wie ältere Menschen. Neu gepflanzte Bäume, als Ersatz für Bestandsbäume, brauchen eine sehr lange Zeit bis sie wieder eine vergleichbare kühlende Wirkung erreichen.
Gleichzeitig ist es auf jeder Spielfläche notwendig, den Baumbestand mit Bäumen zu ergänzen, die zukunftsfähig sind und sich an die klimatischen Veränderungen anpassen. Dadurch kommen auch neue Arten ins Spiel, die nicht immer heimisch sind, aber teilweise trotzdem Insekten Nahrung bieten. Auch für Sonderstandorte wie Baumrigolen werden derzeit einige nicht-heimische Baumarten ausprobiert. Dieser Schritt ist zwar nicht immer naturnah, aber zukunftsfähig.
Dem Umgang mit Regenwasser kommt bei klimaangepassten Spielbereichen eine besondere Bedeutung zu. Grundsätzlich sollte auf einer klimaangepassten Spielfläche kein Regenwasser der Kanalisation zugeführt werden. Das Versickern von Regenwasser hat mehrere Vorteile. Zum einen wird hierdurch die Kanalisation bei Starkregenereignissen entlastet und das Überflutungsrisiko gesenkt. Zum anderen wird der natürliche Wasserhaushalt, der durch urbane Strukturen eingeschränkt wird, wiederhergestellt und die Vegetation wird mit Wasser versorgt. Wenn das Wasser nicht in die Randbereiche versickern kann, können unterirdische Sickeranlagen, Mulden oder ähnliches gestaltet werden. Im besten Fall sind diese sogar bespielbar, wie zum Beispiel der Regenwasserlauf auf der ehemaligen Sportanlage am Kuhlenkamp oder auf dem Urban Green – dem Hausacker.
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