Simon Isser engagiert sich seit vielen Jahren im Bündnis Recht auf Spiel und ist dort Mitglied des Beirats. Den Weltspieltag 2025 mit dem Motto “Lasst uns spielen – mit allen Sinnen”, hat er besonders eng begleitet. Im Interview gibt er einen Einblick in sein langjähriges Engagement und zeigt, wie das Thema “Spiel” ihn nicht nur persönlich, sondern auch beruflich begleitet, als Theaterpädagoge, Fachkraft in der Kindertagesbetreuung und als Präsident im Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT).
1. Du befasst dich in unterschiedlichen Kontexten mit dem Thema “Spiel”. Wie bist du dazu gekommen und welche Rolle spielt es in deinem heutigen Arbeitsalltag?
Ich bin TheaterSPIELER seit meiner Kindheit. Das Spiel hat mich also nie losgelassen und durch meine berufliche Tätigkeit als Theaterpädagoge und Fachkraft in einer Kindertagesstätte ist es auch ein wesentlicher Teil meines Berufsalltags geworden. Gerade in der Kita geht es ja darum eine ansprechende Spielumgebung für Kinder zu schaffen. In Theaterprojekten geht es immer wieder darum Menschen, auch unterschiedlicher Generationen und Nationalitäten, miteinander ins Spiel zu bringen.
2. Was hat dich dazu bewogen, dich im Beirat des “Bündnis Recht auf Spiel” zu engagieren?
Ich fand schon als Jugendlicher die UN-Kinderrechtskonvention unglaublich wichtig und zielführend. Gerade Artikel 31 verdient mehr Aufmerksamkeit und diese versuchen wir mit dem „Bündnis Recht auf Spiel“ unter dem Dach des Deutschen Kinderhilfswerkes zu schaffen. Der Weltspieltag ist natürlich ein wichtiges Event um diese Forderungen einer breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Ich habe die große Ehre von Anfang an ehrenamtlich im Beirat dabei zu sein und erlebe den Austausch unter den Kolleg*innen verschiedener Disziplinen unglaublich bereichernd. Auch gibt die Arbeit im Bündnis wichtige Impulse für mein Wirken im Bund Deutscher Amateurtheater.
3. Das Motto des Weltspieltags in diesem Jahr lautete “Lasst uns spielen – mit allen Sinnen!”. Wo siehst du Verbindungen zwischen den Themen Spiel und Kultur?
Einmal heißt es im Artikel 31 explizit „freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben“, das ist ein deutlicher Auftrag an uns Erwachsene, Kindern Kultur und Kunst zugänglich zu machen. Da ist in Deutschland noch viel zu tun! Spielen fördert Kreativität und Fantasie, beides ist wesentlich für künstlerisches und kulturelles Wirken. Und ja, wir müssen gerade auch Kinderkultur und Kultur von und für Kinder als wesentliche Säule, gar als Fundament, unserer Kulturlandschaft begreifen. Das muss sich auch in der öffentlichen Finanzierung von Kulturangeboten für Kinder widerspiegeln!
4. Das Forderungspapier zum diesjährigen Weltspieltag fordert eine verlässliche und flächendeckende kulturelle Infrastruktur für Kinder. Wo siehst du in deiner Praxis Hürden und was braucht es aus deiner Sicht, um kulturelle Teilhabe aller Kinder zu sichern?
Hürden sind zum einen finanzielle Hürden. Nicht vergessen: Artikel 31 verspricht „freie Teilnahme“, wie ist das also mit Eintrittspreisen und Kosten vereinbar? Unter diesem Gesichtspunkt ist es fast schon ein bisschen absurd, dass der Bund mit dem „Kulturpass“ 18jährigen ein Budget für kostenfreie Kulturangebote sichert, aber alle bis zum 18. Lebensjahr weiter dafür zahlen müssen!
Es gibt auch eine große Hürde der Erreichbarkeit, gerade in ländlichen Räumen. Hier braucht es eine stärkere Förderung gerade der Breitenkultur und von Kulturvereinen, um kulturelle Angebote und Zugänglichkeiten in ländlichen Räumen zu schaffen. Dort gibt es oft keine staatlichen Kultureinrichtungen wie Theaterhäuser, Museen oder Konzertsäle.
Es braucht aber auch Freizeit um kreativ und kulturell tätig zu werden, das ist gerade im Hinblick auf die Ganztagsschule und immer längere Betreuungszeiten in Kindertageseinrichtungen ein Thema, das wir nicht aus den Augen verlieren dürfen. Fachkräfte in Kitas und Grundschulen müssen entsprechende Qualifizierungen angeboten werden, um Kunst- und Kulturprojekte anzuschieben. Spiel und Kultur müssen als Methode in den Unterricht integriert werden, sie sind Querschnittsaufgabe und ein wesentlicher Lern- und Erfahrungsmoment nicht auf einzelne Schulfächer wie Kunst, Musik oder Theater beschränkt. Und auch Künstler*innen und Kulturvereine müssen als Kooperationspartner und außerschulische Bildungseinrichtungen Zugang zu Schulen und Kitas bekommen, um hier Angebote für die Kinder realisieren zu können. Das ist gerade wichtig, um Kinder langfristig für eine Mitwirkung in Kulturinstitutionen zu begeistern.
Und es braucht auch wörtlich Freiraum: Orte, an denen sich Kinder begegnen und gemeinsam kreativ sein können im öffentlichen Raum und durch entsprechende Begegnungsorte in den Kommunen.
Für den Weltspieltag 2025 hat sich Simon Isser auf unterschiedlichste Weise engagiert. Die Kinder- und Jugendfarm OF e.V. und Theaterclub ELMAR e.V. haben die tolle Aktion "Lasst uns spielen - mit allen Sinnen!" auf der Kinder- und Jugendfarm Offenbach zum Weltspieltag veranstaltet. An zahlreichen Stationen eines großen Spiele-Parcours konnten die Kinder alle Sinne entdecken und unterschiedliche Spielangebote nutzen. Der Tag wurde von den Mitarbeiter*innen der Kinder- und Jugendfarm sowie angehenden Sozialassistent*innen gestaltet. Zusätzlich hat der BDAT e.V. tatkräftig dabei geholfen, auf den Weltspieltag über Social Media aufmerksam zu machen und somit die Reichweite zu erweitern. Simon Isser hat zudem inhaltlich unterstützt. So wurde zum Beispiel von ihm eine Auseinandersetzung mit dem Thema Spiel und kulturelle Teilhabe – Theater von und mit Kindern und Jugendlichen angeregt.
Mehr über die Arbeit von Simon Isser finden Sie auf seiner Website.
