Kommentar zum Weltspieltag für Kinder am 28. Mai 2009

Der jährliche bundesweite Weltspieltag versteht sich auch als Erinnerungstag für uns Erwachsene. Er bietet Anlass, sich selbstprüfend beispielsweise zu fragen, wie aktiv setze ich mich für das kindliche Recht auf Spiel ein? Suche ich wieder nach dem spielerischen Kind in mir? Oder warum müssen Kinder spielen?

Besonders das Wissen, warum Kinder spielen müssen, hilft beim Erinnern an die eigenen Spielzeiten, bietet Anstöße, kindliches Tun bewusster wahrzunehmen und ermuntert, den eigenen seinen Standpunkt für eine notwendige Infrastruktur, die Raum und Zeit für das kindliche Spielen garantiert, couragiert zu vertreten.

Kinder müssen spielen, um Mensch zu sein

Spielen ist ein Mittel, sich als Mensch selbst kennen zu lernen und seine Identität zu finden. Ein Mensch gewinnt durch Spielen Motive, Interessen, Bedürfnisse und baut Haltungen auf, die seine Identität und Personalität speisen. Spielen ruft auch Ressourcen ab und bildet Potentiale und Kompetenzen heraus, die zum zentralen Bestandteil von Selbstbildungsprozessen gehören. Im Sinne Schillers bedeutet dies: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Kinder müssen spielen, weil sie wachsen (sich entwickeln) und sich selbst bilden wollen Sie wachsen durch das Spielen, erleben Freude und Glück, bilden Lebensmuster, gewin-nen eigenes Zutrauen, Gefühle in die eigenen Kräfte. Spielen hilft, das Leben zu struktu-rieren, erproben und interpretieren, aber auch Lebensprobleme zu bewältigen und Gefühlsrückstände aufzuholen. Dadurch kann Menschen eine von Lebenszwängen abgekoppelte Entfaltung gelingen (hinter die Fassade schauen). Spielen bildet eine Plattform, um Partnerschaften einzugehen, mit anderen gemeinsamen zu denken und die Welt zu verstehen. Durch Spielen bringen Kinder sich die reale Welt näher, deuten sie um, projizieren sie. Damit geben sie sich selbst durch das Spielen einen wachsenden Sinn.

Kinder müssen spielen, um das Leben zu deuten und zu verstehen

Spielen hilft beim Formen des Lebens. Es hilft bei der Lebens-Sinnbedeutung. Spielen bedeutet immer „etwas“ für ein Kind; es ist ein Ausschnitt der begegnenden Welt. Lebensabschnitte und –fenster sind manchmal eng dimensioniert bzw. es sind Grenzen gesetzt. Spielen hilft, aus den Fenstern zu schauen und aus Begrenzungen herauszu-springen. Im Leben sind Zufälligkeiten, Widerstände und Polaritäten zu klären; Spielen kann bei diesen ernsten Dingen vermitteln. Im Leben muss man häufiger Haltung zeigen - offensiv oder defensiv; Spielen kann Alternativen verdeutlichen, Haltungen entlarven. Spielen bringt Synthesen zusammen, die das Leben nicht herzustellen vermag. Durch das Spielen werden das Vorstellungs-vermögen und die Anschauungskraft aktiviert, z.B. bildhafte, gestische, szenische, sprachliche Mitteilungen. Durch Spielen gelingt es, die Innensicht eines Menschen nach außen zu kehren; Spielen ist in diesem Zusammenhang der Vermittler von innen nach außen. Kinder öffnen sich auf diese Weise selbst für die Welt und erschließen sie.

Und woran erinnern Sie sich?

Kinderwelt als Spielwelt verbessern, aufbauen, zurückgewinnen und sichern, das können Kinder selbst nicht einfordern, dazu brauchen sie viele kompetente Erwachsene! Sie brauchen verständnisvolle Erwachsene, damit sie z.B. angemessene Spielzeiten haben, Spielzeuge ohne Mängel, Spielräume, in denen sie auch lärmen dürfen, die nicht einengen und vor Autos sicher sind. Wieder selbst einmal ausgelassen zu spielen, hilft beim Erinnern und beim couragierten Einsatz für eine adäquate Kinderwelt als Spielwelt. Der Weltspieltag ist dazu gleichermaßen ein zukunftsweisender Ausgangspunkt für Kinder und Erwachsene!


Dr. Klaus Balster
Leiter der Steuerungsgruppe „Kinderwelt ist Bewegungswelt“ der Deutschen Sportjugend
Beiratsmitglied des Bündnisses „Recht auf Spiel“

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