Kommentar zum Weltspieltag für Kinder am 28. Mai 2008

So ist auch der diesjährige Weltspieltag am 28. Mai zu nutzen, als Start, Notwendiges endlich zu realisieren. Obwohl das Grundgesetz „jedem Menschen das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ (Art. 2.1) im Allgemeinen und die meisten Landesver-fassungen wie NRW „für Kinder ein Recht auf Entwicklung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit“ (6.2) im Besonderen beschreiben, sind diese Garantien nicht überall Wirklichkeit. Die Entfaltung der Persönlichkeit setzt ausreichendes Spielen Können voraus. Ebenfalls weitere „Spiel-Garantie-Quellen“ wie die UN-Kinderrechtskonvention oder andere nationale, regionale Resolutionen bzw. Verlautbarungen von Bündnissen betonen den Wert des Spiels und Spielens für jedes Kind. In der Realität zeigt sich aber nach wie vor ein deutliches Umsetzungsproblem!

Obwohl eine unüberschaubar gewordene Publikationsvielfalt, angefangen von Berichten politisch motivierter Zukunftsräte (in NRW z.B. der Zukunftsbericht 2015) und administrativen Bildungsvereinbarungen (in NRW z.B. die Bildungsvereinbarung für TEK, die „Spielen als zentralen Bildungsbereich“ betont), über Expertisen hochqualifizierter Expertengruppen bis hin zu Selbstverpflichtungsabsichten von Sportorganisationen (in NRW z.B. „Kinderwelt ist Bewegungswelt“), die Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung als unaustausch-bar belegt, zeigt die Realität immer noch nicht überall ein kinderfreundliches Gesicht. Es scheint, dass zu viele Erwachsene entweder ihre Kindheit und die damals erfüllenden Spielerlebnisse vergessen haben oder ihr Egoismus den Ruf der Kinder nach Unterstützung nicht mehr wahrnehmen lässt. Sie stehen Kindern als Anwalt beispielsweise für mehr „Toleranz bei Kinderlärm“, „Aufheben von Spielverboten“, „Zurückgewinnung von Spielstraßen“ nicht zur Seite. Denn sonst ließe sich die mangelnde Wertschätzung und Achtsamkeit für kindliche Spielinteressen kaum erklären.

Darum sind Aktivitäten wie das Bündnis „Recht auf Spiel“, das federführend das Deutsche Kinderhilfswerk auch unter Beteilung der Deutschen Sportjugend und ihrer Mitgliedsverbände initiierte, endlich von allen Erwachsenen, die sich als Lobbyisten für Kinder verstehen, aktiv zu unterstützen. Jede Person hat jetzt wieder eine gute Gelegenheit, für „Mehr Toleranz für Kinderspiel!“ aktiv einzutreten. Hier kann jeder einen Neuanfang machen und der kranken Gesellschaft helfen, Kindesinteressen in den Blick zu nehmen, um die Welt wieder kinderfreundlicher zu gestalten und Spielgarantien zu verwirklichen. Außerdem hilft auch jeder Erwachsene sich selbst. Ein solcher Tag lässt hoffentlich Erinnerungen an schöne Kindheitserlebnisse beim Spielen aufkommen. Er sollte der Ausgangspunkt sein, den inneren Schweinehund zu überwinden und entweder selbst wieder Spielerlebnisse zu suchen oder für Kinder Räume für freies und spontanes Spiel zu schaffen. Kinder können uns beim Erinnern helfen, Sie laden uns zum Spielen ein. Wir müssen es sehen, verstehen, tun und beibehalten. Wir selbst müssen wieder Spielen leben.

Ich hoffe, viele Erwachsene verstehen diesen Weltspieltag für sich als Aufbruch und Neuanfang und verändern ihr Verhalten! Gelingt ihnen dies, werden sie auch Kraft für die Veränderung der Verhältnisse für umfassende kindliche Spielwelten haben. Es wäre den Kindern, aber auch uns selbst zu wünschen!


Dr. Klaus Balster / Kommentar zum Weltspieltag 28. Mai
Dsj-AG Leiter „Kinderwelt ist Bewegungswelt“
Stellv. Vorsitzender der SJ NRW mit dem Aufgabenfeld „Bewegung, Spiel und Sport“

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